Kreislaufwirtschaft initiiert die Mobilienwirtschaft

Wir Bauingenieure haben die Verantwortung, jetzt die Zukunft des Bauens mitzugestalten. Gerade die Baubranche ist für einen Großteil des weltweit anfallenden Abfalls verantwortlich und das Entwicklungspotential hin zu einem für die Erde gesunden Bauwesen ist hoch. Von vielen Seiten wird gefordert, die Materialien von Bauwerken in einem Kreislauf zu halten und dem linearen System den Rücken zuzukehren. Ganz nach dem Motto Think Circular!


Die Theorie ergibt Sinn, doch wie setzt man das Konzept der Kreislaufwirtschaft eigentlich direkt in der Planung um? Für Innenausbau und Fassaden gibt es hier schon einige Konzepte, aber gerade die Disziplin Tragwerksplanung ist besonders spannend, da das Tragwerk des Gebäudes meist am längsten überdauert. Es definiert die Grundstruktur des Gebäudes und hat damit signifikanten Einfluss auf die Flexibilität der Nutzung. Hat die Tragstruktur doch einmal ausgedient, wird diese heute in den seltensten Fällen mit gleichwertiger Qualität direkt in den Kreislauf zurück geführt, da es aufgrund der Konstruktion und dem Verbund der Materialien gar nicht anders möglich ist.


Wie wollen wir in Zukunft Tragwerke entwerfen, damit sie möglichst langlebig, flexibel und rezyklierbar sind?

Wie wollen wir Kreislaufwirtschaft in der Tragwerksplanung

umsetzen?

Die Beantwortung dieser Frage ist gar nicht so einfach, denn die klassische Tragwerksplanung setzt sich hauptsächlich mit der Planung eines Neubaus auseinander. Die Arbeit ist getan, wenn der Rohbau steht. In der Tragwerksplanung hat man aber sehr viel Spielraum, den Entwurfsprozess bezüglich der grundsätzlichen Tragstruktur, der Grundrisse, der Materialien und der Art der Verbindungen der einzelnen Bauteile signifikant zu beeinflussen. Bereits beim Entwurf können also die folgenden Leitfragen mitgedacht und im gesamten Projektteam gemeinsam diskutiert werden:


Wie können wir die Tragstruktur entwerfen, damit sie möglichst lange überdauert und flexible Umnutzungsmöglichkeiten bietet? Welche Raumhöhen und Stützenraster brauchen wir dafür? Welche Lastannahmen sollen dafür festgelegt werden? Macht es vielleicht Sinn, heute gewisse Bauteile überzudimensionieren oder zu vereinheitlichen, um morgen ein Parkhaus in einen Wohnblock umwandeln zu können? Welche Materialien eignen sich dafür am Besten? Müssen diese hochleistungsfähig sein oder ein gesundes Gebäudeklima schaffen?


Wie können wir die Bauteile entwerfen, damit Sie am Ende ihres Lebenszyklus mit möglichst hoher Qualität wieder in den Kreislauf gehen? Wie können wir Materialien rohstoffrein wieder trennen und ihre Verbindungen lösbar konstruieren? Brauchen wir ein modulares System? Wollen wir alle Bauteile in einem Material Passport dokumentieren?

Löst die Mobilienwirtschaft die Immobilienwirtschaft ab?


Der Begriff Immobilie steht für einen unbeweglichen Sachgut. Investoren kaufen Immobilien und berechnen in einem linearen System wann das Objekt ausgedient hat. Dann wird es in den meisten Fällen abgerissen und eine lukrativere Immobilie wird neu gebaut. Doch wir brauchen genau das Gegenteil. Unsere Gebäude oder zumindest ihre Bestandteile müssen beweglich und vielseitig einsetzbar werden, also auch veränderbar in ihrer Gestalt und Nutzung oder vielleicht sogar transportabel. Wenn zirkulär denken und konstruieren, verliert das Bauwerk seinen Wert nie, denn die Materialien bleiben im Kreislauf und können für den Neubau verwendet werden. Immobilien werden also mobil. Wir brauchen die Mobilienwirtschaft!


Dieses spannende Thema diskutieren Michi und Philip in Episode #05 ihres #Podcast #Baustelle #Bauwesen gemeinsam mit dem ersten baubau Gast Angela. Angela ist seit mehreren Jahren begeisterte Tragwerksplanerin bei Bollinger + Grohmann und möchte in ihren zukünftigen Projekten das Konzept der #Kreislaufwirtschaft umsetzen. Hört euch diese Episode an und diskutiert mit. Denn nur wenn wir alle etwas ändern können wir der Kreislaufwirtschaft eine Chance geben. Ihr findet die Episode auf unserer Homepage oder auf eurer Lieblings Streaming Plattform. Viel Spaß und teilt eure Meinung mit uns hier, oder auf Instagram!


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